Tirol 2010

4.Tag *Ofenpass*: 153 km
Pfunds -> Finstermünzpass -> Nauders -> Reschenpass -> Müstair -> Ofenpass -> Zernez -> Susch -> Scuol -> Crusch -> Martina -> Norberthöhe -> Nauders -> Finstermünzpass -> Pfunds

Dienstag, 31.08.2010

Nun kam es aber dicke ! Es regnete die ganze Nacht unaufhörlich durch und wir konnten entspannt Ausschlafen.
An Motorradfahren war heute wirklich nicht zu denken – Alternativen waren gefragt.
Wir entschlossen uns zum zollfreien Einkaufen und fuhren mit dem Auto ins 20 Kilometer entfernte Samnaun. Aufgrund seiner geographischen Lage führte bis 1905 die einzige Zufahrtstrasse nach Samnaun über österreichischen Boden und so wurde das kleine Schweizer Dorf Zollausschussgebiet. Offiziell bezahlt man hier mit Schweizer Franken, aber es kann problemlos auch mit dem Euro nach Herzenslust eingekauft werden.
Die Fahrt hinauf ( das Dorf liegt auf 1850 Meter Höhe ) war ein einmaliges Erlebnis. Der Nebel nahm zu und es wurde immer frischer, es dauerte nicht lange und wir fuhren durch Schneematsch. Kaum war der Wagen abgestellt donnerte ich Frank erst mal einen Schneeball an den Schädel, manche werden halt nie erwachsen.
Wir schlenderten einige Zeit durch den Ort und drückten uns die Nasen an den Schaufenstern platt, nach 2 Stunden begaben wir uns wieder auf die Abfahrt nach Pfunds.
Dort angekommen wurden wir von trockenen Strassen und Sonnenschein überrascht – geht da heute doch noch was ?
Irgendwie trauten wir den Braten nicht und eigentlich wollten wir uns gerade das erste Zipfer Märzen in den Kopf jagen !
Doch STOP, Kommando zurück – wir sind ja zum Biken hier !
Schnell wurde eine neue Runde kreiiert und wir fuhren eine wunderschöne 155 Kilometer lange Tour durch die Schweiz. Erste Station war der richtig klasse zu fahrende Ofenpass, auf dem auch noch recht wenig Verkehr herrschte. Über Zernez, Susch und die kleine, aber feine Norberthöhe ging es dann zurück nach Pfunds. Dass wir heute noch Asphalt unter die Reifen bekommen, daran hätten wir am Morgen echt nicht gedacht.
Laut Wetterdienst war die Regenphase überwunden, ab morgen sollte es dann "ins Volle" gehen.

[ Diashow "Oetz & Samnaun" ]

[ Diashow "Ofenpass" ]

5.Tag *Stilfser Joch*: 360 km
Pfunds -> Finstermünzpass -> Nauders -> Reschenpass -> Prato allo Stelvio -> Stilfser Joch -> Foscagnopass -> Formarinjoch -> Forcolo di Livigno -> Poschiavo -> Tirano -> Apricapass -> Edolo -> Gaviapass -> Bormio -> Stilfser Joch -> Umbrailpass -> Müstair -> Reschenpass -> Nauders -> Finstermünzpass -> Pfunds

Mittwoch, 01.09.2010

Um es vorweg zu nehmen ... die Wetterfrösche hatten ausnahmsweise mal recht - in den nächsten Tagen sahen wir keinen Tropfen Regen. Ab heute wurden mächtig Kilometer gefressen, den Beginn machte eine Tour mit dem Namen "Stilfser Joch".
Zeitig um halb zehn machten wir uns auf den Weg zum Reschenpass. Schnell kamen wir zur ersten Herausforderung des Tages: das Stilfser Joch, auch König der Pässe genannt.
Für mich war der Passo dello Stelvio absolutes Neuland und ich war sehr gespannt was mich dort erwartete. Die Auffahrt besteht aus 48 Spitzkehren, die Fahrbahn ist eng, der Belag grottenschlecht, dazu noch etliche Radfahrer die durch die Kehren eiern - kurz um: Fahrspaß ist was anderes ! Zugegeben, wir als Flachlandtiroler brauchten 2 bis 3 Kehren um uns auf die Verhältnisse einzustellen, danach ging es uns aber gut von der Hand und wir erreichten schnell die Passhöhe auf 2760 Meter. Der Ausblick von hier oben ist schon absolut imposant, Kehre für Kehre schlängelt sich die Straße am Hang entlang. Da hier oben Volksfeststimmung - inklusive Bratwurst und Hamburger - herrschte, machten wir uns schnell wieder vom Acker. Die Abfahrt nach Bormio beinhaltet einen größeren Spaßfaktor, zwar findet man auch hier 36 Kehren vor, allerdings ist Fahrbahn breiter und auch der Belag deutlich besser. Die nächsten Stationen waren der Foscagnopass und der Forcola di Livigno - beide Strassen stellen den erfahrenen Biker vor keiner großen Herrausforderung. Nun folgten etliche Kilometer über schweizerische und italienische Bundesstraßen, allerdings war dieses nicht so langweilig wie es sich anhört.
Tja, und dann lag der Gaviapass vor uns ...
Leider hatten wir kein Wörterbuch im Gepäck, so dass wir nicht lesen konnten was auf einem Schild an der Auffahrt zum Gavia stand. Wir quälten uns zur Passhöhe hinauf, denn für den Gavia gelten die gleichen Attribute wie für das Stilfser Joch: eng, schmal, unübersichtlich und ein unterirdischer Fahrbahnbelag. Oben angekommen lief uns doch noch ein Wörterbuch über den Weg, und zwar in Form eines deutschen Autofahrers. Die Abfahrt nach Bormio war wegen Bauarbeiten bis vorraussichtlich 17.30 Uhr gesperrt. Na klasse, es war gerade mal 16 Uhr durch und die heutige Tour war eh' schon auf ein spätes Heimkommen ausgerichtet. Zu allem Überfluss befanden sich in unserem Kühlschrank auch nur sehr wenige Dosen Zipfer Märzen - denn eigentlich wollten wir abends noch rasch einkaufen. Wir fuhren bis zur Strassensperre vor und machten es uns bequem - zusammen mit vielen anderen Bikern verfolgten wir allergrößte italienische Strassenbaukunst. Eine Fahrspur war bereits fertig geteert und man werkelte fleissig an der zweiten Spur herum. Warum hier der Verkehr nicht einspurig fließen konnte - das verstanden sicherlich nur eingefleischte Italien-Fanantiker. Ich zähle mich nicht dazu und deswegen schüttelte ich mehrmals unverständlich den Kopf. Die Uhr zeigte genau, aber ganz genau 17.30 Uhr und siehe da - wir konnten einspurig weiterfahren !!! Eine unglaubliche Aktion, denn genau das hätte man auch schon vor 90 Minuten machen können. Irgendwie bauen die so Strassen wie sie Fußball spielen ... Aber wir haben ja Urlaub und es gibt noch offene Tankstellen - nein, Benzin hatten wir noch genug, ihr wisst schon was ich meine !
Auch der abschliessende Umbrailpass war neu für uns ! Dieser besteht eigentlich nur aus einer Rampe, die direkt auf dem Stilfser Joch mündet. Im Gegensatz zum Stilfser herrschte hier kaum Verkehr - allerdings war es schon spät und die ganzen Radfahrer bekamen schon frisches Blut. Der Umbrail ist sehr schön zu fahren und auch die 2 Kilometer lange Schotterstrecke zwischendurch bereit keine Probleme. Über Müstair, dem Reschenpass und Nauders fuhren wir nach Pfunds zurück. Kurz vor 20 Uhr schalteten wir die Motoren ab und blickten auf einen tollen, imposanten Tag zurück.
Das Stilfser Joch war bezwungen und es sollte auch in keiner Sammlung fehlen - allerdings ist dieser Pass jetzt für mich jetzt at acta gelegt !

[ Diashow "Stilfser Joch 1" ]

[ Diashow "Stilfser Joch 2" ]

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